Xiaomi 11T Pro im Test: 120 Watt machen den Unterschied

Xiaomi 11T Pro im Test: 120 Watt machen den Unterschied

Xiaomi erobert Stück für Stück den Smartphone-Markt. Zu verdanken hat man das den Preis-Leistungs-Krachern aus dem Sortiment. Mit dem Xiaomi 11T Pro ist wieder so ein neuer Kandidat für diese Bezeichnung erschienen, der preisbewusste Menschen ansprechen soll. Wie sich das Xiaomi 11T Pro im Alltag geschlagen hat, erfahrt ihr in meinem Testbericht.

Xiaomi 11T Pro im Test: Fazit

GIGA-Wertung: 8.1 / 10

Mit dem Xiaomi 11T Pro ist dem chinesischen Hersteller ein gutes Smartphone gelungen. Man bekommt sehr viel Hardware für das Geld. Mir gefallen das Display, die Optik, Performance, Akkulaufzeit und unglaublich hohe Ladegeschwindigkeit. Xiaomi legt das 120-Watt-Netzteil sogar bei, sodass man nicht extra dafür zahlen muss, wie bei anderen Herstellern.

Ich finde nur, dass sich das Xiaomi 11T Pro trotz der schicken Optik nicht hochwertig anfühlt. Es kostet zwar nur 649 Euro, doch auch das ist viel Geld und da erwartet man eine etwas hochwertigere Haptik. Das Handy lässt sich zudem nicht kabellos aufladen und ist auch nicht wasserdicht. Außerdem ist mir die Software in einigen Teilen zu kompliziert und zu sehr an iOS angelehnt.

Wer sich für das Xiaomi 11T Pro entscheidet, macht auf jeden Fall nichts falsch. Man bekommt ein High-End-Smartphone zum bezahlbaren Preis. Doch das Google Pixel 6 kostet genau so viel, fühlt sich hochwertiger an, hat ohne Zweifel die bessere Kamera, ist wasserdicht, kann kabellos geladen werden und besitzt einzigartige Software-Features. Das macht die Entscheidung für das Xiaomi-Handy schwer.

Vorteile:

Display
Performance
Akkulaufzeit
Ladegeschwindigkeit
Preis-Leistungs-Verhältnis

Nachteile:

Qualitätsanmutung
Kein Wireless Charging
Keine IP-Zertifizierung
Fingerabdrucksensor

Tolles Display mit hoher Helligkeit

Xiaomi hat beim 11T Pro sehr viel wert auf ein hochwertiges AMOLED-Display gelegt. Mit bis zu 1.000 nits kann der Inhalt auch dann gut abgelesen werden, wenn die Sonne direkt auf den Bildschirm scheint. Das ist besonders beim Fotografieren ein großer Vorteil. Schade ist nur, dass auf dem Display eine relativ minderwertige Schutzfolie aufgebracht ist. Darauf sammelt sich viel Schmutz, der auch gar nicht so leicht zu entfernen ist.

Außerdem sind die Kanten der dicken Folie recht scharf, wodurch die Wischgesten bei der Bedienung erschwert werden. Wer das volle Potenzial des Displays vom Xiaomi 11T Pro ausschöpfen und es gleichzeitig schützen möchte, sollte sich Panzerglas besorgen, das abgerundete Kanten hat. Alternativ schaltet man die On-Screen-Tasten ein. Geschützt wird der Bildschirm vom neuesten Gorilla Glass Victus.

Im Display ist kein Fingerabdrucksensor verbaut. Dieser sitzt an der Seite. Er arbeitet zuverlässig, ist aber in meinen Augen nicht optimal positioniert. Ich würde die Anordnung umdrehen und die Lautstärkewippe unter dem Powerbutton anbringen. Grundsätzlich bin ich eher ein Fan von In-Display-Fingerabdrucksensoren. Wer mit dem seitlichen Fingerabdrucksensor keine Probleme hat, wird hier aber zufrieden sein.

Der Powerbutton, in dem auch der Fingerabdrucksensor verbaut ist, besitzt einen komischen Druckpunkt. Erwischt man ihn nicht genau in der Mitte, fühlt er sich sehr schwammig an. Der Druckpunkt der Lautstärkeregelung ist besser, die Form aber anders. Hier hätte ich mir ein einheitliches Design gewünscht.

Optischer Leckerbissen

Die Optik des Xiaomi 11T Pro gefällt gut. Man bekommt ein schönes Android-Smartphone mit flachem Bildschirm, dessen Ränder nicht wirklich breit ausfallen. Auch die Punch-Hole-Kamera ist schön eingelassen und fällt nicht groß auf. Selbst die Proportionen stimmen dieses Mal. Beim Xiaomi Mi 11 war das in meinen Augen nicht der Fall.

Die Rückseite ist typisch Xiaomi. In der linken oberen Ecke befindet sich die Kameraeinheit mit dem 108-MP-Sensor. Sie steht deutlich aus dem Gehäuse heraus, was Xiaomi mit zwei Abstufungen versucht abzuschwächen. Das funktioniert optisch gut. Legt man das Handy aber auf den Tisch, wackelt es deutlich. Um das abzustellen, kann man die mitgelieferte Hülle aus Kunststoff überziehen.

Ansonsten erinnert mich die Rückseite meines Testgeräts in „Meteorite Gray“ etwas an meinen Samsung-Kühlschrank. Dieser hat eine Edelstahloptik, die aber mit einem Anti-Fingerprint-Kunststoff überzogen ist. Auf meinem Kühlschrank sieht man tatsächlich keine Fingerabdrücke, das Xiaomi-Handy ist leider voll davon. Die glänzende Oberfläche zieht Fingerabdrücke magisch an und man muss sie ständig putzen, wenn man nicht will, dass das Handy permanent schmutzig aussieht.

Das Handy fühlt sich insgesamt zudem nicht sehr hochwertig an. Ich habe persönlich nichts gegen den Einsatz von Kunststoff bei einem Smartphone. Es gibt aber große Unterschiede bei der Haptik und hier hat sich Xiaomi keinen Gefallen getan.

Durch das an allen Seiten abgerundete Gehäuse liegt das Xiaomi 11T Pro aber angenehm in der Hand. Das Gewicht von 204 Gramm ist relativ hoch. Genau wie beim Pixel 6 Pro (zum Test) hätte ich mir etwas weniger Gewicht gewünscht. Da aber auch hier ein großer Akku verbaut ist, der für eine lange Laufzeit sorgt, kann ich damit leben.

High-End-Hardware zum kleinen Preis

Technisch muss man beim Xiaomi 11T Pro keine Kompromisse eingehen. Angetrieben wird das Smartphone vom Snapdragon 888, dem immer 8 GB RAM und wahlweise 128 oder 256 GB interner Speicher zur Verfügung stehen. Die Performance des Handys unter Android 11 und MIUI 12.5 ist sehr hoch – aber nicht in jeder App.

Ich habe in den Einstellungen den 120-Hz-Modus dauerhaft aktiviert und deswegen müsste das Smartphone eigentlich immer flüssig laufen. Die Animationen beim Öffnen und Schließen von Apps laufen größtenteils auch sehr sauber. Doch wenn ich beispielsweise durch die YouTube-App wische, dann zieht der Inhalt etwas nach. Das habe ich in mehreren Apps gemerkt, bei denen die Leistung eigentlich keine Rolle spielen sollte und die 120 Hz auf keinen Fall erreicht werden. Hier könnte ein Update helfen.

Software im iOS-Stil

Die Ähnlichkeit zwischen MIUI 12.5 von Xiaomi zu iOS von Apple kann man nicht von der Hand weisen. Das chinesische Unternehmen hat die Funktion der Schnelleinstellungen im Grunde vom Konkurrenten übernommen. Auch das Herunterziehen von den Benachrichtigungen und den Schnelleinstellungen entspricht nicht dem, was man von Android kennt. Links über den Bildschirm gewischt, holt die Benachrichtigungen runter, auf der rechten Seite die Schnelleinstellungen. Oft hat man nicht das, was man eigentlich will.

Wer von einem älteren Xiaomi-Handy kommt oder vielleicht sogar von einem iPhone wechselt, wird sich schnell zurechtfinden. Die Software bietet viele Einstellungen, mit denen man das Betriebssystem individuell anpassen kann. Es ist aber auch wieder sehr viel Bloatware vorinstalliert. Apps von AliExpress, Amazon Music, Amazon Shopping, eBay, Facebook, Netflix, TikTok und WPS Office sind schon drauf. Wer die nicht verwenden will, kann sie deinstallieren. Werbung wurde mir im Testzeitraum nicht angezeigt.

108-MP-Kamera überzeugt nicht immer

Die 108-MP-Kamera des Xiaomi 11T Pro haben wir schon in unzähligen Smartphones des chinesischen Herstellers gesehen. Die Bilder, die das Gerät erzeugt, sind bei guten Lichtbedingungen absolut in Ordnung. Sobald die Lichtverhältnisse schlechter werden, sind die Bilder aber nur noch okay. Die Hauptkamera ist zudem nicht optisch bildstabilisiert. Das erwartet man eigentlich in dieser Preisklasse.

Sobald das Licht schlechter wird, bekommt das Xiaomi 11T Pro oft Probleme mit dem Fokus. Dann ist das Bild halt einfach komplett unscharf. Man sollte nach dem Auslösen im Dunkeln unbedingt prüfen, ob das Bild scharf ist. Zwei Beispiele habe ich unten eingefügt. Wenn genug Licht da ist, tritt das Problem überhaupt nicht auf. Ab und zu sind die Farben auch einfach viel zu kräftig.

Neben der Hauptkamera mit 108 MP ist noch ein Superweitwinkel mit 8 MP verbaut. Damit lässt sich dann mehr erfassen. Als dritter Sensor ist eine „Telemakro-Kamera“ verbaut. Nein, es handelt sich dabei nicht um ein Teleobjektiv, mit dem man Objekte heranzoomen kann. Es ist eine Makro-Kamera, mit der man sehr nah an Objekte gehen kann. Ein echtes Teleobjektiv fehlt hier leider. Die Makro-Kamera funktioniert ganz gut. Doch auch hier gilt: Das Licht muss gut sein.

Nachfolgend einige Fotos, die ich mit dem Xiaomi 11T Pro in verschiedenen Situationen gemacht habe:

Akku hält lange und lädt schnell per Kabel

Das größte Highlight des Xiaomi 11T Pro ist der Akku. Das Smartphone hält locker einen Tag intensiver Nutzung durch und man hat sogar noch einen kleinen Puffer am Abend übrig. Geht man etwas sparsamer mit dem Handy um, dann sind auch zwei oder drei Tage drin. Im Ruhemodus verbraucht das Smartphone kaum Energie, was schon beeindruckend ist.

Ich habe das Handy immer mal wieder genutzt, da ich es schon früh bekommen habe, andere Testgeräte aber vorher geplant waren. Da war ich schon überrascht, als ich das Smartphone einige Tage zur Seite gelegt hatte und dann immer noch genug Akkulaufzeit zur Verfügung stand. Bei vielen Smartphones wäre der Akku da schon leer gewesen.

Ist der Akku doch einmal leer, dann ist das Xiaomi 11T Pro in wenigen Minuten komplett aufgeladen. Xiaomi lädt das Smartphone nämlich mit wahnwitzigen 120 Watt. Das passende Netzteil liegt im Lieferumfang – ein großes Plus im Vergleich zur Konkurrenz. Eine kabellose Ladefunktion fehlt aber.

Wertungen im Detail

Kategorie
Wertung (max. 10)

Verarbeitung, Haptik und Design
7

Display
9

Kameras
7

Software
8

Performance
9

Telefonie und Audio
8

Speicher
8

Akku und Alltag
9

Gesamt
8.1